Über mich

Ich arbeite als freie Autorin, Sängerin und Regisseurin. Ich liebe das Theater und finde mich mittlerweile genau zwischen den Brettern die die Welt bedeuten und den Nächten am Klavier als Songwriterin wieder.

 

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Tempeljagd und Tanzorgie in Bagan

Stille. Pause. Computer aus, Handy aus und tief durchatmen. Nach dem ich die letzten Wochen im Akkord durch Asien gereist bin, brauche ich ein bisschen Abstand zu allem was mich beschleunigt. In Myanmar, Laos und Vietnam läuft die Zeit durch aus langsamer, doch muss man sich auch darauf einlassen. Also kehre ich zum guten alten Kugelschreiber und Papier zurück. Die folgenden Zeilen sind unterwegs entstanden, im Bus, im Zug, auf einem Schiff - aber immer altmodisch mit Stift und Papier.

Ich hatte ganz vergessen wie sich das anfühlt, mehrer Stunden einfach den Gedanken nach zu gehen und zu schreiben. Ich schreibe zwar oft, doch am Computer fühlt es sich mittlerweile wie ein Automatismus an, sodass ich meinen Gedanken kaum Zeit gebe sich zu entwickeln.


Auf Papier ist das anders - es ist fast so, als müssten meine Finger erst ein Mal mit dem Stift tanzen, bevor sie dann wirklich etwas aufschreiben. Also: Erholt, entschleunigt und tanzend startet heute der neue Blogartikel. Jetzt erzähle ich dir alles über meine Begegnungen und Abenteuer in Bagan.


Der Bus wartet bereits, es geht weiter vom Inle-See in Myanmar nach Bagan. Die Stadt ist nicht weit weg, doch durch die zum Teil sehr kreative Straßenführung zieht sich die Fahrt sehr in die Länge. Ich fahre über Nacht. Wieder bin ich froh, dass ich die Abgründe neben dem Bus nicht sehen kann. Der Busfahrer hupt ohne Ende, Hunderudel rennen am Bus vorbei und als die Sonne sich langsam am Horizont hervorwagt habe ich noch immer kein Auge zu gemacht.




Ich bin wach, der Sitz ist unbequem, ich habe hunger und sehne mich gerade nach einem warmen Bett, mit einer normalen Decke und einem bequemen Kissen. Umso mehr wird diese Sehnsucht durch die Klimaanlage verstärkt. Klimaanlagen bedeuten in Myanmar Luxus und Luxus ist hoch angesehen. Egal wie ungesund es ist, egal wie alle andern ebenfalls frieren: Je kälter der Bus, desto besser.


Mein lieber Herr Gesangsverein, bin ich froh als der Bus endlich am Zielort ankommt. Ich steige aus und will eigentlich ganz in Ruhe nach meinen Rucksack angeln, da werde ich von gefühlt 100 Tuk Tuk Fahrern überrannt. Jeder will mich zu meinem Hotel bringen - für den richtigen Preis versteht sich.


Neben mir fängt eine Chinesin das Verhandeln an - und wie! Die junge Frau stellt sich den Männern mit einer Stimmlautstärke entgegen, dass mir jetzt noch (8 Wochen später) die Ohren surren. Nach dem ich das ganze Spektakel beobachtet habe finde ich zum Glück schnell zwei weitere Backpacker, die ihre Mitmenschen nicht in Grund und Boden schreien. Es geht endlich mit dem Taxi nach Bagan. Wahnsinn!





Im Licht der aufgehenden Sonne erkenne ich bereits die Umrisse einiger Tempelanlagen. Ich kann nicht glauben das ich hier bin - Diese Tempel wurden vor über Tausend Jahren errichtet und sind immer noch da. Ich weiß nich genau warum, aber irgendwie finde ich diese Tatsache beruhigend. Es ist schön, dass manche Dinge auf der Welt einfach gleich bleiben, sich nicht verändern und diese unbeschreibliche Ruhe und Kraft ausstrahlen.


Von diesem Ort aus hat sich der Buddhismus in Myanmar ausgebreitet, das erste Königreich der Burmesen wurde hier gegründet - ein großer Anteil des kulturellen Kerns Myanmars ist hier zu entdecken. Nach einer Mütze voll Schlaf, in einem (halbwegs) bequemen Hotelbett, geht es los. Papier zum schreiben, Ukulele Paula zum singen und ein Hut gegen die Sonne: Es geht los! Tempeljagt in Bagan!





Ein Ort ist magischer als der Andere. Ich muss fast an jedem Tempel länger verweilen, da ich so viele Ideen habe. Mir fallen Melodien ein, von denen ich gar nicht wusste das meine Stimme diese überhaupt umsetzen kann. Mein Aufnahmegerät glüht bereits, die erste Seite meiner Ukulele ist gerissen und die Tinte in meinem Stift ist alle. Was für ein Tag.


Die meisten Touristen fahren mit dem Roller. Die Straßen sind eng und klein und der fliegende Sand ist manchmal ziemlich anstrengend. Ich habe mich für ein Fahrrad entschieden. Nach dem ich im letzten Jahr einen Motorradunfall hatte, muss ich mich ja nicht gleich noch mal auf so ein Gefährt wagen. Außerdem ist das Tempo des Fahrrads ganz angenehm, um die Atmosphere auf sich wirken zu lassen. Doch was ich dann entdecke, übertrifft all meine Erwartungen.


Was für ein Glück. Genau in der Zeit, in der ich in Bagan bin ist Vollmond. Zu diesem Anlass wird ein Musikfestival veranstaltet. Doch wer sich jetzt denkt, wie schön: kleine Bühnen mit traditioneller Musik und kleine Essenstände: Pustekuchen! Nein, wenn die Burmesen feiern, dann lassen sie es so richtig krachen!


Das Festival, auf dem ich mich befinde, dient dazu die bösen Geister zu verjagen. Man bedenke außerdem: Alles was ich dir jetzt erzähle findet ohne Alkohol statt!


Ich biege auf meinem Fahrrad also um die Ecke, links und rechts ragen riesige Ruinen in den Himmel. Doch dazwischen herrscht absoluter Ausnahmezustand. Das Festival beginnt mit einer Art Kinderkarussell und einer Hüpfburg, auf der Tatsächlich auch Kinder spielen. Allerdings läuft dazu unfassbar laute Hip-Hop Musik. Der Beat ist so laut, dass mir erneut die Ohren brummen. An den Straßenseiten finden sich Stände mit Wassermelone, kleine Snacks und weitere Kinderspiele. Alles wieder von ohrenbetäubender Musik untermalt.


Außerdem ist hier eine Menge los. Ganz Bagan ist offensichtlich auf den Beinen. 20 Meter weiter dann ein richtiger Menschenauflauf. Alle blicken gespannt in eine Richtung, ich versuche den Blicken zu folgen und sehe in der Ferne eine Pappmaschee-Pferdefigur auf der zwei (echte) Mädchen sitzen. Diese Figur bewegt sich nun im Takt der Musik auf und ab. Nun erkenne ich auch woher diese laute Musik kommt: Ein Auto mit 10 Boxen (riesigen Boxen) steht direkt hinter diesem „Pferd“ und versorgt die jodelnde Masse mit Musik. Und das reicht noch nicht, es folgt ein ganzer Umzug mit tanzenden Figuren und tanzenden Menschen. Da traut sich sicherlich kein Böser Geist mehr nach Bagan.




Auch wenn ich anfangs etwas verstört bin - wenn man sich erst ein Mal drauf einlässt ist diese Lebensfreude ansteckend. Es ist einfach nur skurril, da ich solche Bilder sonst nur von Techno-Festivals kenne. Das Fest geht bis in die späten Abendstunden. Ich hätte nicht gedacht, dass die Burmesen so lange durchhalten zu tanzen.





Kein Wunder, dass ich am nächsten Morgen beim Warten auf den Sonnenaufgang fast alleine bin. Diese Erfahrung muss ich auch erst Mal etwas ruhen lassen.


Bagan ist vermutlich das Touristen-Ziel Nummer 1 in Myanmar. Das spürt man natürlich auch überall. Viele Händler versuchen mir ihre Wahre regelrecht anzudrehen - ich lerne „Nein!“ zu sagen, immer wieder.


Manchmal ist dieses Gefühl etwas bedrückend. So aufregend und spannend das Fremde auch ist, manchmal ist es seltsam sich „fremd“ zu fühlen. Ein Gefühl und eine Erfahrung die mich lange nicht loslässt. Dennoch kann ich nur jedem raten ein Mal Bagan zu besuchen.




Ich kann es gar nicht ganz in Worte fassen, doch Bagan ist mehr als ein Touristen-Hotspot.

Im Gegensatz zu späteren, ähnlichen Zielen (ich werde dir bald zum Beispiel etwas über Ankor-Wat in Kambodscha erzählen), kann man ganz entspannt selber auf Entdeckungsreise gehen. Die Anlagen sind nicht weit auseinander, die Straßen sind mit dem Fahrrad, mit dem Roller oder sogar zu Fuß gut zu erreichen. Außerdem hat man oft das Gefühl, ganz alleine zu sein. Manchmal fühlt es sich sogar an, als würde man Wege entdecken, die sonst niemand kennt. Selbst wenn es nicht so ist - die Möglichkeit diesen Entdeckergeist zu wecken und zu leben finde ich großartig!





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