Über mich

Ich arbeite als freie Autorin, Sängerin und Regisseurin. Ich liebe das Theater und finde mich mittlerweile genau zwischen den Brettern die die Welt bedeuten und den Nächten am Klavier als Songwriterin wieder.

 

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Inle-See: Endlich Füße baumeln lassen

Aktualisiert: 9. Nov 2019




Von Yangon reise ich zum Inle-See - Ich freue mich endlich auf einen ruhigen Ort, Wasser und viel Platz um mich in meinen Gedanken zu verlieren, zu schreiben und gut zu essen. Yangon ist eine großartige Stadt - doch jetzt ist Schluss mit Großstadtdschungel.

Allerdings stellt sich der Weg von Yangon nach Inle als Abenteuer heraus.


Ich entscheide mich für einen Bus, eine günstige Alternative zum Flugzeug. Die Sitze sind irgendwie für kleinere Menschen als mich gemacht (und ich bin ja schon nicht wirklich ein Riese). Immerhin gibt es ein Essen (Cola und ein Stück Kuchen).


Nach dieser Kombi bin ich leider wach. Die 12 Stunden über Nacht werden also vor allem lang und länger. Blöderweise habe ich dadurch viel Zeit aus dem Fenster zu sehen. Es ist bereits dunkel. Im Licht der Scheinwerfer sehe ich die Schatten fremder Bäume, die alles noch gruseliger wirken lassen. Schnell begreife ich, dass wir nicht nur ziemlich schnell unterwegs sind, sondern Gegenverkehr mal links und mal rechts am Bus vorbei zieht.


Zwischen durch geht es neben dem Bus ins Nichts hinunter. Wer braucht denn schon Absprerrungen oder Zäune? Ich bin froh, dass ich nicht sehe wie tief es hinunter geht.

Als die Sonne langsam anfängt aufzugehen bin ich erleichtert: Grüne Wiesen, wunderschöne Aussicht, Reisfelder und Palmen. Noch viel schöner als ich es mir vorgestellt habe. Inle ist wunderschön!



Mit dem Fahrrad lässt sich der Ort wunderbar erkunden. Kleine Cafés und lächelnde Menschen überall. Das Wichtigste natürlich: Der See. Allerdings ist es nicht so, dass man zu Fuß an den See kommt und sich einfach ans Ufer setzt. Der eigentlich See ist riesig, daher „mietet“ man sich am besten ein Boot mit Fahrer. Ich zahle umgerechnet 10 € und fahre den ganzen Tag über den See.


Ich sehe schwimmende Dörfer, Häuser auf Stelzen im Wasser, Restaurants zwischen wilden Wasserpflanzen und sehr viele kleine Handwerksläden. Die „Orte“ sind mit kleinen, märchenhaften Brücken verbunden. Zum Glück regnet es nicht, wie es wohl ist wenn hier ordentlich Gewitter angesagt ist?




Was mich am meisten freut ist, dass die Zeit irgendwie langsamer läuft. Der Inle-See ist wirklich ein Kontrastprogramm zur wilden Hauptstadt Yangon. Auch die Leute wirken entspannter. So ist auch der Besuch im Theater ein interessantes und beruhigendes Erlebnis.


Myanmar ist bekannt für das Puppentheater. Direkt am Inle-See lebt der „Master of Puppets“, der ein kleines Puppentheater bereits in der 4. Generation leitet. Ein unglaublich herzlicher Mensch, der mir gleich alle Fragen beantwortet. Leider gerät das Puppentheater immer mehr in den Hintergrund: Für die neue Generation ist es wohl uncool und überholt.



Dabei hat das Puppenspiel sehr stark die burmesische Kultur beeinflusst.

Es ist die älteste Form von Theater im Land, alle Figuren haben fest duschchoreografierte Schritte und Charakterzüge. Spannend ist auch, dass alle weiteren Tanzformen, die man heute in Myanmar zu sehen bekommt, von Puppen inspiriert sind. Die Bewegungen sind kantiger, hüpfend und haben Armbewegungen wie Marionetten. Solltest du ein Mal am Inle-See sein, schau dir unbedingt das Theater an. Die „Show“ dauert 30 Minuten und hat umgerechnet knapp 3 € Eintritt gekostet.



Die frische Luft, das Wasser und die tollen Menschen inspirieren natürlich auch für weitere Musik. Ich schreibe Liedtexte und übe mich fleißig an der Ukulele. Dabei entsteht die Idee, etwas auf dem Inle-See zu singen. Kein Problem, ein hilfsbereiter Bootfahrt ist schnell gefunden. Allerdings passiert dann etwas, was ich wohl auch nicht vergessen werde.


Wir befinden uns im ersten Drittel des See, der Motor ist aus, um die Aufnahme nicht zu stören. Ich singe und bin hoch konzentriert - doch plötzlich wackelt das Boot verdächtig. Ich blicke meinen Fahrer an, blicke nach draußen und bekomme Panik. Vor lauter Musik machen sind wir mitten in eine Wasserpflanzen-Insel gefahren. Der Probella des Bootes verhängt sich immer wieder aufs Neue. Wir sitzen fest - mitten im See.


Nach einer Stunde gemeinsamen Paddelns, Motor an und aus, glibberige Pflanzen entfernen und vergeblich um Hilfe schreien: Wir sind frei! Vor lauter Freude wird einfach weiter Musik gemacht. Diesmal aber weit entfernt von diesen gefährlichen Wasserpflanzen.





Am Abend liege ich im Bett und kann ich nicht glauben, was ich alles gesehen und erlebt habe. Die Mentalität, die Häuser, das Essen alles ist so fremd, doch irgendwie trotz dem zugänglich und offen. Ich verändere mich, denn reisen verändert. Ich kann noch nicht sagen wie, doch irgendwas lösen all diese Bilder etwas in mir aus. Die Texte die ich aktuell schreibe sind ruhiger, melancholischer und vielleicht auch ehrlicher. Ich kann es kaum erwarten, die neuen Songs mit euch zu teilen.


Nächste Woche geht es auf Zeitreise nach Bagan!


Ich freu mich! Ganz liebe Grüße vom andere Ender der Welt :)


Mira Mond




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