Über mich

Ich arbeite als freie Autorin, Sängerin und Regisseurin. Ich liebe das Theater und finde mich mittlerweile genau zwischen den Brettern die die Welt bedeuten und den Nächten am Klavier als Songwriterin wieder.

 

Lies mehr

© 2023 by Going Places. Impressum

Nichts mehr verpassen!
  • White Facebook Icon
Suche
  • Mira Mond

Großstadtdschungel und Live-Musik



Ich gestehe: Ich hatte Vorurteile. Ohne, dass ich es wollte, dachte ich zu wissen wie Myanmar ist. Videos, Bilder und Internetrecherche ließen mich (warum auch immer) glauben, es sei von der Mentalität her ähnlich wie Thailand nur „wilder“. Doch Myanmar und vor allem Yangon (die Hauptstadt) haben mir ziemlich schnell zu spüren gegeben: Du betrittst eine neue Welt. Yangon ist wild, aber dennoch so komplett anders als Bangkok und erst Recht als Chiang Mai.


Die ersten Komplikationen habe ich bereits bei der Einreise. Für Myanmar braucht man ein Visum. Ich wollte von Chiang Mai aus nach Yangon fliegen und vor Ort ein Visum On Arrival beantragen - leider vermittelt mir eine strenge Dame am Schalter in Chiang Mai, dass ich erst ein Visum brauche, bevor ich den Flieger betrete. Kein Visum = Kein Flug.


Nur die Ruhe bewahren - ich beantrage online ein Express Visum und zähle die Minuten. Tatsächlich, 10 Minuten bevor der Schalter für den Check-In schließt: Hurra! Ich hab mein Visum. Auf gehts, in einer kleinen Probella-Maschine nach Yangon, Myanmar!



Yanong ist laut, dreckig, wild und dennoch so aufregend, spannend und interessant. Ich komme Nachts an. Das erste was mir auf der Fahrt vom Flughafen zum Hostel auffällt: Irgendetwas stimmt hier nicht. Ich denke nach, sehe mich um und plötzlich realisiere ich, dass wir wieder auf der rechten Seite der Straße fahren, das Lenkrad im Auto aber auch auf der rechten Seite ist. Dieser verrückte asiatische Straßenverkehr verdreht mir ganz schön den Kopf.


Vor dem Hostel angekommen spüre ich zum ersten Mal etwas „Angst“ vor der Großstadt. Ich glaube nicht, dass mich hier jemand in eine dunkle Ecke zerrt, aber alls ist doch wirklich sehr fremd, riecht anders und es ist unglaublich laut. Außerdem fällt es mir schwer den Eingang zu meinem Hostel zu finden. Ein winziges Schild weißt mir schließlich den Weg und ich wage den Schritt in ein düster wirkendes Gebäude.


Die Menschen im Hostel sind jedoch alle sehr nett. Ich schlafe in einem Frauen-Mehrbettzimmer. Das Bett ist sauber und ich atme endlich durch. Ich kann den nächsten Morgen kaum erwarten.



Ich bin zu müde fürs Frühstück. Als ich mich endlich nach draußen wage, steht die Sonne schon hoch am Himmel. In der Straße vor dem Hostel tummeln sich gefühlt 1000 Menschen. Mein erster Einruck: Es wirkt irgendwie indisch, ich sehe vor allem Männer und alle Männer tragen Röcke (Longyi).


Ich dachte immer, dass man diese Kleidung nur im Tempel trägt, doch in Yangon sehe ich kaum einen Mann ohne Longyi. Ohne es zu wollen, frage ich mich natürlich, was tragen die da drunter? Leider bekomme ich wenige Stunden später die Antwort (das beschreibe ich euch jetzt mal lieber nicht genauer, denn da gab es nicht viel zu beschreiben).


Yangon ist ein echter „Großstadtdschungel“, im wahrsten Sinne des Wortes. Myanmar war einst britische Kolonie und überall sieht man verlassene Kolonialgebäude. Die Architektur der Briten zeiht sich durch die ganze Stadt, allerdings stehen die Gebäue heutzutage größtenteils leer und werden vom Dschungel zurück erobert. Ich habe selten eine so fotogene Stadt erlebt, jede Ecke erzählt eine eigene Geschichte und überall gibt es etwas zu etdecken.


Man sollt nur nie zu lange staunen und dabei den Blick auf die Straße vergessen. Die Straßen in Yangon sind ebenfalls wild. Gehsteige hören einfach auf, dann geht es 1 Meter nach unten, Gullis werden einfach weggelassen - große Löcher überall! Dort hängt ein Stromkabel nach unten, hier ragt ein Rohr aus der Wand und da drüben, neben dem Markt, geht es ohne Absperrung direkt 3 Meter hinunter in die Kanalisation. In Yangon sollte man ständig die Augen offen lassen!



Außerdem sind die Gerüche viel intensiver, als in Thailand. Ein Glück, dass man Gerüche nicht übers Internet verschicken kann - so schön manche Gerüche an Ständen und Cafés waren. Einige der Gerüche, vor allem die am Straßenrand, neben der Kanalisation oder in „Müllecken“ möchte ich niewieder riechen müssen. Ich hätte nicht gedacht, dass Gerüche die Wahrnehmung so sehr beeinflussen können.

Kommen wir aber zu meinem wichtigsten Thema: Musik! Ich habe mich natürlich auch in Yangon auf die Suche nach Musik gemacht. Straßenmusiker findet man leider nur sehr selten, doch Yangon hat ein sehr ausgeprägtes (wenn auch sehr braves) Nachtleben. In einer Bar lerne ich einen Musiker kennen, der seinen Lebensunterhalt nur mit der Gitarre und seiner (unglaublichen) Stimme verdient! Zwe Hein (sein Name) und ich kommen ins Gespräch und wenige Sekunden später stehe ich mit ihm auf der Bühne (ups, wie ist das bloß passiert).


Wir singen gemeinsam ein paar bekannte westliche Lieder. Mit dem Handy gibt er mir die Lyrics zum ablesen und ab geht die Lucy. Anschließend erzählt er mir einiges über die Musikszene in Yangon. Er selbst ist eigentlich Metal-Musiker und tritt regelmäßig mit seiner Band auf. Ich hätte nicht gedacht, dass die Metal-Musik-Szene so groß ist in Yangon, es gibt sogar einen eigenen Radiosender für diese Musikrichtung.



Mit seinen Tatoos und der rauhen Stimme passt er auf jeden Fall sehr in diese Musik. Das Temperament der Burmesen ist jedoch sehr buddhistisch geprägt. Er achtet zum Beispiel akkurat darauf, sich nicht neben mich zu setzen, bzw. mich nicht zu berühren. Außerdem verbeugt er sich zum Abschied. Um 22 Uhr macht die Bar zu, in der es übrigens keinen Alkohol gibt. Dennoch ist die Stimmung ausgelassen. Auffallend und sehr entspannend ist auch, dass keiner in der Bar sein Handy in der Hand hält. Alle sind tatsächlich im hier und jetzt und singen aus vollem Hals zu den Liedern von Zwe Hein mit! Sein eigener Fanclub, was für eine Atmosphere!


Grundsätzlich gibt es sehr viel Live-Musik in Yangon, allerdings orientieren sich alle Musikrichtungen an westlicher Musik. Die traditionelle Musik in Myanmar wird immer weniger, da sie für die neue Generation als „uncool“ gilt. Nicht nur in der Musik ist diese Entwicklung zu sprügen. Myanmar ist im Aufschwung, in jeder Hinsicht.


Die Tradition wird jetzt "vermarktet". Am nächsten Tag besuche ich ein Theater, auf der Suche nach authentischer Kultur. Ich besuche den Karaweik Palace, doch diesen Auslflug kann ich nicht weiter empfehlen. Das Repertoire der burmesischen Kultur wird wie am Fließband vorgeführt: Kerzentanz, Puppentheater und Figurentanz. Ein guter erster Eindruck, doch ich freue mich euch in der nächsten Woche etwas über das authentische Theater in Myanmar zu berichten. Am Inle Lake und in Bagan bin ich nämlich tatsächlich fündig geworden.


Am kommenden Mittwoch findet ihr auf Youtube das passende Video zu diesem Artikel. Bis dahin, könnt ihr euch hier die letzte Folge ansehen.


Ganz liebe Grüße und bis nächste Woche!


Eure Mira Mond


25 Ansichten