Über mich

Ich arbeite als freie Autorin, Sängerin und Regisseurin. Ich liebe das Theater und finde mich mittlerweile genau zwischen den Brettern die die Welt bedeuten und den Nächten am Klavier als Songwriterin wieder.

 

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Ein Tag im thailändischen Dschungel

Diesen Tag werde ich niemals vergessen. Es fällt mir wirklich schwer, für diese Erfahrungen die richtigen Worte zu finden - aber ich werde es versuchen.



Am 1. September werde ich um 9 Uhr morgens von Tony, meinem Tourguide in meinem Hotel abgeholt. Gemeinsam mit dem Fahrer Payou geht es los in ein großes Abenteuer - zu diesem Zeitpunkt ahne ich noch nicht was mich erwartet. Wir fahren von Chiang Mai aus hinein in die Berge - immer weiter, immer höher.


Diese Tour habe ich bereits Wochen, bevor ich überhaupt in Asien gelandet bin, geplant und gebucht. Dazu habe ich lange recherchiert und mich letzten Endes für eine "Authentic Hill Tribe Tour" entschieden. Viele Touren im Internet haben leider schlechte Bewertungen: "Das Leben der Dorfbewohner wirkt inszeniert und extra für die Touristen einstudiert".


Das was ich euch allerdings in den nächsten Zeilen beschreiben werde, ist das komplette Gegenteil. Ich habe wunderbare Menschen kennengelernt, war mit ihnen im Dschungel "einkaufen", habe gekocht und mit ihnen Musik gemacht. Wenn jemand von euch auch eine Tour in Nordthailand plant - kann ich die folgende Seite nur empfehlen: Thailand Hilltribe Holidays



Die erste Station auf unserer Reise zu den Bergvölkern ist ein Stopp bei den Hmongs. Ein nordthailändisches Bergvolk, dessen Ursprung in China liegt. Die Hmong's haben in den letzten Jahrzehnten gelernt, wie man effektiv Kontakt mit Touristen pflegt - wir besuchen einen kleinen Markt, allerdings sehe ich überall Stände mit Souvenirs und traditioneller Kleidung.


Tony erklärt mir, dass er mir diesen Markt zeigt - damit ich sehe was es für einen Unterschied zwischen den touristischen, inszenierten "Spots" und den echten, authentischen Bergdörfern gibt. Der Ausblick ist aber auf jeden Fall lohnenswert, ich kann es kaum erwarten noch viel höher zu fahren.

Mit einem Süßkartoffel-Snack und den ersten, eindrucksstarken Bildern im Kopf geht es wieder in das Auto. Die Straßen werden holpriger, die Häuser und Hütten am Straßenrand werden weniger.


Auf dem Weg zum Volk der Karen, fahren wir an einigen Kaffeeplantagen vorbei. Da ich Kaffee praktischen zu meinen Grundnahrungsmitteln zähle, halten wir bei einer kleinen Manufaktur an. Das ist glaub ich der beste Kaffee, den ich je getrunken habe!


Und dann geht es los. Auf dem Weg zum nächsten Stopp komme ich mit Tony ins Gespräch und erfahre, dass er Musiklehrer ist und sich mit der traditionellen Musik in Nordthailand super auskennt. Außerdem verrät er mir, dass er mehrere traditionelle Instrumente im Kofferraum hat - ich platze fast vor Freude.


Wir halten in einem kleinen Dorf - Hunde spielen auf schmalen Wegen, Schweine und Hühner gehen miteinander spazieren und Familien sitzen gemeinsam im Garten, bereiten Knoblauch und Zwiebeln für den Markt vor, Kinder spielen und die Zeit scheint langsamer zu laufen.



Ich versuche mich daran, beim Knoblauch schälen zu helfen - ohne, dass ich die einheimische Sprache spreche kommt es zu einer Art "Gespräch". Eine junge Frau zeigt mir mit Händen und Füßen wie der Alltag im Dorf aussieht. Auch wenn ich nicht alles verstehe, ich fühle mich sofort willkommen und wohl.


Tony bringt eine Gitarre und ein älterer Mann versucht so gleich mir traditionelle Lieder zu zeigen. Als er anfangs nervös nach den richtigen Tönen sucht, bringt ihm seine Frau einen Schnaps und plötzlich fliegen die Finger über die Saiten. Es wird gelacht und alle fangen an zu singen. Ich bin fast schon überfordert von so viel Freundlichkeit, Offenheit und vor allem Zufriedenheit.


Dank meinem kleinen Rekorder konnte ich einige dieser Gesänge und Melodien einfangen - aus all diesen musikalischen Momente werde ich auf jeden Fall versuchen einen neuen Song zu schreiben. Bis dahin genieße ich aber erst mal das zusammensitzen und bin fast etwas traurig, als wir wieder in das Auto steigen und noch weiter den Berg hinauf fahren.


Ich werde den Abend mit der Familie von Payou verbringen - der junge Mann, der das Auto fährt, will Fotograf werden und übt fleißig mit der Kamera von Tony. Viele Fragen sammeln sich in meinem Kopf, doch dafür ist in diesem Moment keine Zeit.


In Payous Dorf werde ich von dem Dorfältesten und seiner Familie empfangen. Sie wohnen in einer kleinen Bambushütte, die das gesamte Dorf gemeinsam gebaut hat (wie jedes Haus im Dorf). Das Bergvolk besteht aus 75 Menschen, die sich wiederum aus 15 Familien zusammensetzen. Man arbeitet hier ca. 2 Stunden am Tag und bestellt gemeinsam die Reisfelder am Rande des Dorfes. Alles andere, was man zum Leben braucht, wird im Dschungel gesammelt oder gejagt und unter allen Dorfbewohnern aufgeteilt.


Für das Abendessen ziehen wir gemeinsam in den Dschungel - mein Herz pocht so laut, dass ich Angst habe wilde Tiere anzulocken. Man kann sich gar nicht vorstellen wie laut der Dschungel ist! Über all zirpt etwas, knistert und bewegt sich.



Im Busch, ja besser kann ich diesen Ort nicht beschreiben, denn es war im wahrsten Sinne ein Busch, bleiben wir einen Moment lang stehen. Als kleiner Tipp am Rande: Bleibe niemals mit kurzer Hose einfach so im Dschungel stehen! Du willst wissen warum? Das verrate ich dir gleich. Payou und sein Bruder klettern an einem Baum hoch um Äste einzusammeln, deren inneres man essen kann. Der kleine Urwaldsnack für zwischendurch so zu sagen.


Außerdem sammeln wir frische Kräuter, Früchte und Bambus, um den Reis später darin zu garen. Zurück an der Bambushütte angekommen, werden alle Zutaten gewaschen und ich helfe mit, den Salat vorzubereiten.



Jetzt begreife ich, warum man niemals zu lange in kurzer Hose (und ohne Insektenspray) im Dschungel stehen bleiben sollte:


Während ich mich auf den Boden zu Payou und Tony setze, fällt mir ein dicker schwarzer Punkt an meinem Knöchel auf. Variante 1: Ich schreie laut und falle in Ohnmacht - nach dem ich darüber eine Sekunde nachdenke, entscheide ich mich für Variante 2:


"Tony? What's that?" Tony sieht mich an, sieht auf meinen Fuß und zieht mit seinen Fingern den schwarzen Punkt von meinem Gelenk. Jetzt erkenne ich genau was das ist: Oh mein Gott!!! Ein Blutegel. Innerlich schreie ich, renne ich und hüpfe wild umher, nach außen hin bleibe ich natürlich cool und versuche ruhig zu atmen. An sich ist ja nicht's passiert.


Der Egel hat die Stelle, an der er sein Frühstück zu sich nahm, betäubt - ich spüre weder Schmerz noch irgendetwas anderes. Allerdings hört die Stelle nicht auf zu bluten (ein Nebeneffekt des Blutegel-Bisses). Tony holt eine Zitrone und presst sie darauf - Gut, ich gestehe - jetzt brennt es etwas. Medizin auf Bergvolk-Art. Doch alle um mich herum beruhigen mich, ein Blutegal sei nichts schlimmes. Andere zahlen immerhin viel Geld dafür.


Sollte dir das mal passieren - ganz ruhig bleiben. Blutegel übertragen keine Krankheiten und tun auch überhaupt nicht weh. Es ist einfach nur ein bisschen ekelig (meiner Meinung nach) und blutet eben sehr stark. Auf den Schock gibt es dann endlich etwas zu Essen. Frisch geerntet und selbst gekocht.



Der Stammesälteste bindet mir vor dem Essen zwei Schnüre um die Hände, als Symbol der Gastfreundschaft. Anschließend sitze ich mit der ganzen Familie um einen kleinen Tisch in der Bambushütte und vergesse kurz, dass alle um mich herum ja eine vollkommen andere Sprache sprechen.


Nach dem Essen werden die Gitarren geholt und es wird bis in die frühen Morgenstunden gesungen: Ich auf deutsch, Tony auf englisch und Payou in seiner Stammessprache. Ich will, dass diese Nacht einfach niemals endet.

Doch die Nacht ist kurz im Dschungel - Da um 4:30 Uhr in der Früh die 200 Hähne im Dorf ein Konzert geben, wird es langsam Zeit fürs Bett. Das "Bett" bedeutet eine Isomatte unter einem Mückennetz (Gott sei dank!) in einer Bambushütte. Unter mir die Schweine, damit die Schlangen nicht angreifen (darüber denke ich lieber nicht genauer nach).


Die Elektrizität funktioniert hier in der Nacht nur selten - daher ist es stockduster. Ich habe zum Glück eine kleine Lampe bei mir, ich fühle mich wieder wie ein Kleinkind, das Angst in der Dunkelheit hat. Erneut bin ich überwältigt, wie laut der Dschungel um mich herum ist. Ich höre tausende Tiere und durch die Lampe in meinem Mückennetz sehe ich einige Insekten (zum Teil größer als meine eigene Faust) außen am Netz vorbeifliegen. Ich finde nicht viel Schlaf - aber das ist ok. Was für ein Abenteuer!


Pünktlich um 4:30 Uhr geht es los - das angekündigte Hähne-Konzert ist der Wahnsinn. Da braucht man sich wirklich keine Sorgen machen, dass man verschlafen könnte. Es wirkt für mich so, als wenn auch die Hähne hier eigene Lieder singen. Ich höre nicht das gewohnte "Ki-ke-ri-ki", sondern irgendwie eine andere Art von Melodie. Der Hahn unter meiner Bambushütte hat wohl eine Erkältung, er klingt irgendwie nicht ganz gesund. Ich meine es ihm gegenüber nicht böse, aber ich musste ziemlich lachen. Ungewöhnlich für 4:30 Uhr morgens.


Da es mit der Nachtruhe so wie so vorbei ist, klettere ich mit Tony und dem Dorfältesten den naheliegenden Berg hinauf, um den Sonnenaufgang anzusehen. Leider ist es bewölkt, es ist dennoch wunderschön. Mystisch, geheimnisvoll und melancholisch.


Wir frühstücken wieder gemeinsam und machen erneut Musik. Ein Glück - es gibt Kaffee! Alle sitzen wieder am Tisch und es wird laut stark diskutiert. Tony übersetzt stetig, doch irgendwie brauch ich das zum Teil gar nicht. Alle reden so viel mit Händen und Füßen, dass ich irgendwie das Gefühl habe, alles zu verstehen.


Vom Frühstück gestärkt, geht es zurück ins Auto und langsam den Berg hinab. Durch dicken Nebel, über abenteuerliche Straßen und vorbei an Wasserbüffel-Herden. Wir wollen eine Schule besuchen, denn die Kinder haben vor mir eine Tanzstunde zu geben.


Und wieder fehlen mir die Worte. Die Kinder sind einfach der Wahnsinn - ich werde sofort freundlich und herzlich begrüßt. Was für ein Zufall, dass wir ausgerechnet in den Musikunterricht platzen. Gemeinsam wird gesungen und anschließend zeigen die Kinder mir den traditionellen, nordthailändischen Tanz.



Jedes Kind lernt die Grundschritte in der Schule. Für mich ist das allerdings gar nicht so einfach. Die Bewegungen sind ganz anders, als das, was ich zum Beispiel aus dem Ballett kenne. Die Finger sind wahnsinnig wichtig und alle Bewegungen sind fließend und ohne Unterbrechungen.


Außerdem stehen hier einige traditionelle Instrumente herum. Gemeinsam wird alles ausprobiert - mal klingt es nach Musik, mal irgendwie nicht. Das ist aber auch egal, die Energie im Raum ist einfach großartig und wieder habe ich das Gefühl, dass ich noch viel länger bleiben möchte.


Wir machen ein gemeinsames Foto und ich springe voller Enthusiasmus ins Auto. Die Kinder ziehen weiter zur Turnhalle in den Sportunterricht (ok, bei den Temperaturen bin ich darauf nicht neidisch).



Und da wir noch nicht genug Musik gemacht haben, fahren wir jetzt noch zu einem Meister der thailändischen "Gitarre". Es wird wieder eine Menge Tee getrunken und ich bekomme so zu sagen ein Privatkonzert und darf wieder alls aufnehmen. Mein Kopf explodiert förmlich vor lauter neuer Song-Ideen.



Bevor dieses wunderschöne Abenteuer zu Ende geht, halten wir noch ein Mal am Berg an und genießen die Aussicht. Wir sind wieder in der Region des Hmong-Volkes. Der Blick fällt auf riesige Teeplantagen und Reisfelder.


Auf dem Weg zurück zum Auto kommen wir durch Zufall mit einer Familie des Hmong-Volkes ins Gespräch. Tony ist wieder Feuer und Flamme für spannende Musikinstrumente und fragt nach - tatsächlich holt ein netter, älterer Mann plötzlich ein längst vergessenes Instrument aus seinem Keller. Es wird wie eine Art Flöte gespielt und wird traditionell am Neujahrestag benutzt, um böse Geister zu vertreiben. Er ist der letzte seines Volkes, der dieses Instrument beherrscht. Viele traditionelle Instrumente gehen leider verloren, da die junge Generation es nicht lernt und es zusätzlich keine Aufzeichnungen darüber gibt.

Was für ein Nachmittag!


Dieser Artikel reicht dennoch nicht aus, um all die Bilder, all die Eindrücke und Begegnungen wiederzugeben. Ich werde versuchen, dieses ganze Abenteuer in einen Song zu verpacken (keine Ahnung ob das gelingt). Letzten Endes kann ich diesen Ausflug nur von ganzem Herzen empfehlen!


Ganz viele liebe und inspirierte Grüße


Eure Mira Mond





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