Über mich

Ich arbeite als freie Autorin, Sängerin und Regisseurin. Ich liebe das Theater und finde mich mittlerweile genau zwischen den Brettern die die Welt bedeuten und den Nächten am Klavier als Songwriterin wieder.

 

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Bangkok - Lärm, Gerüche, Hektik

Aktualisiert: 2. Okt 2019



Wie ein Schlag ins Gesicht - Wohl eher mit einem Kissen, als mit einem Hammer, aber die ersten Tage in Bangkok haben mich wirklich erschlagen. Jetzt verstehe ich warum viele Backpacker so schnell wie möglich aus der Hauptstadt Thailands erst Mal in den Süden oder Norden weiterziehen.


Wenn man sich aber erst ein Mal an die Lautstärke, die Gerüche und die ganze Hektik gewöhnt hat, dann gibt es sehr viel zu entdecken - vor allem gutes Essen, viel Musik und eine Touristenattraktion nach der anderen.


Wer also plant nach Bangkok zu fahren um die Stadt zu erleben, sollte länger als drei Tage bleiben oder gleich weiter ziehen.


Aller Anfang ist schwer


Meine erste Eindrücke am Flughafen: Riesig - laut - unfassbar viele Menschen. Ich bin so voller Neugierde, dass ich meine Angst einfach im Flugzeug vergesse.


Die erste Frage: Wo bekomme ich mein Visum her? Nach einem endlosen Gang voller kofferziehender Menschen folgt endlich eine große Halle, in der einem die Visumsunterlagen direkt in die Hand gedrückt werden. Man braucht kein offizielles Visum im Voraus beantragen, es geht einfach per "on arrival" und gilt dann für die folgenden 28 Tage ab der Einreise.


Die Spannung steigt! Ab ins Taxi und rein in die Stadt. Zum ersten Mal erlebe ich den wilden Straßenverkehr und Großstadtdschungel.




Die verrücktesten Gefährte sind zu sehen, riesige Busse ohne Türen, Tuk Tuks, Baufahrzeuge die in Deutschland sicherlich keine Fahrgenehmigung bekommen hätten und eine Menge Roller und Motorräder. Alles wirkt chaotisch und oft eher nach Zufall, als nach Straßenverkehrsordnung - doch irgendwie fügt sich alles in einander.


Die ersten Stunden fliegen dahin und ich liege im Bett meines ersten Hostels. Die Klimaanlage über mir surrt und es ist Zeit nachdenklich zu werden. Da draußen lebt die Stadt, vor allem in der Nacht. Man hört das leise Bass-Vibrieren der nahen Clubs, das Zischen von Pfannen der Straßenstände und nebenan im Zimmer lallt ein Sachse „One night in Bangkok“ in seine Kloschüssel. Was für ein Auftakt!


Das Licht verändert alles


Bei Tageslicht sieht irgendwie alles anders aus. Ich kann nicht genau sagen warum. Dennoch ist die Stadt nicht weniger lebhaft als zur Nacht. Die Stände der Nacht werden durch Morgenstände mit „Frühstück“ ausgetauscht - Suppen, Nudeln, Fisch - man findet einfach alles.


Auffallend ist, wie viele Menschen einfach so auf der Straße sitzen, sich unterhalten, Kartenspielen oder schlafen (was man halt so macht, auf der Straße).


All diese Bilder fallen mir am Anfang noch schwer zu begreifen. An jeder Ecke sehe ich etwas Neues, spüre irgendwie andere "Schwingungen" (ja ich weiß, klingt esoterisch) und vor allem rieche ich Dinge die ich noch nie zu vor gerochen habe (manchmal gut, manchmal ziemlich schlecht). Bangkok ist ein Wa-Wa-Wum. An meinem zweiten Abend stürze ich mich zum ersten Mal in das Nachtleben - bzw. in den Vorraum: Die Khao San Road.


Mit einem Chan-Bier intus komme ich tatsächlich mit zwei super sympathischen Musikern ins Gespräch und am nächsten Abend singe ich mit ihnen gemeinsam in der Khao San Road eine Jam-Session. Die Menschen hier sind einfach so unglaublich freundlich und herzlich. Allerdings muss ich zugeben, dass die Pünktlichkeit hier reichlich Raum für Interpretation zulässt. Was soll's - Musik habe ich trotz dem gemacht.



Theater ist eben nicht über all gleich


"Ich schreibe über Musik und Theater in Asien" - das habe ich gesagt, ja. Das ist tatsächlich gar nicht so einfach - vor allem es auf den Punkt zu bringen. Ich habe in Bangkok zwei komplette "Theaterstücke" gesehen und einige Performances in Pagoden, auf Märkten oder in Bars.


Mein Besuch im Sala Chalermkrung Theater ist eine Kombination mit dem Besuch des Grand Palast (Kombi-Ticket). Auch wenn ich nach den Eindrücken im Palast etwas müde bin, mache ich mich voller Spannung auf den Weg ins Theater. Natürlich wieder mit dabei? Genau! Die allseits beliebte chinesische Reisegruppe. Keine Angst, ich habe wirklich nichts gegen Chinesen, aber es ist doch auffallend wie so eine chinesische Reisegruppe bestimmte Klischees immer wieder aufs Neue bestätigt. So auch das laute Essen im Theater und das Kommentieren des Geschehens (schade, dass ich kein Wort verstehe).


Wieder zurück zum Thema: Bei uns in Deutschland gibt es die verschiedenste Formen von Theater, von reinem Schauspiel bis hin zur durchkomponierten Oper. In Thailand gibt es sicherlich ähnlich viel Vielfalt, allerdings kreist sich im Theaterbereich alles um Musik und Bewegung. Die Performance die ich sehe, zeigt eine Geschichte über einen weißen Heldenaffen, der sich in eine Meerjungfrau verliebt und dabei zahlreiche Hindernisse überwinden muss. Gängiges Prozedere also.


Um diese Märchenartige Erzählung auch tempramentvoll rüber zu bringen, tanzen die Darsteller den Khon. Eine traditionelle Khon-Erzählung basiert auf den Märchen aus den Ramakien (Thailands älteste, traditionelle Erzählung). Die vorkommenden Charaktere sind Helden, Oger und vor allem Affen.



Die Tänze orierntieren sich sehr stark an den Bewegungen von Affen und konzentrieren sich dabei auf detaillierte Hand- und Fußbewegungen - bis in die Fingerspitzen. Ursprünglich war es Frauen nicht erlaubt, den Khon-Tanz zu tanzen - heutzutage sind Frauen ein großer und wichtiger Teil des Ensembles. Im Original wurden die Shows nur am Hofe des Königs aufgeführt, Heute findet man sie dadurch nur noch in Bangkok.


Einen Besuch in diesem Theater kann ich jedem nur ans Herz legen. Die Tänzer wissen was sie tun und man spürt eine Energie zwischen Bühne und Publikum (wenn man das Schmatzen der Reisegruppe ignorieren kann).


Von der Technik, den Videoprojektionen und den Bühnenfahrten (also allen Gegenständen und Podesten, die sich ständig auf- und abbewegen) bin ich zusätzlich extrem beeindruckt. So etwas habe ich sogar an dem Münchner Theater, an dem ich sonst arbeite, selten gesehen. Ich vermute das die Arbeitssicherheit an thailändischen Theatern nicht ganz so ernst genommen wird, anders kann ich mir einige Sprünge und Verschiebungen der Bühne nicht erklären.


Übertroffen (was die Technik angeht) wird das ganze allerdings vom Siam Niramit Theater. Ich habe lange überlegt, wie ich die richtigen Worte für dieses Theater finden soll, aber eigentlich reicht es wenn ich einfach nur ehrlich bin: Mir hat es überhaupt nicht gefallen.


Wer auf Google nach Theater in Bangkok sucht, stößt relativ schnell auf dieses Theater und findet passend dazu eine sehr professionelle Website. Meine Erwartungen waren groß und zumindest was die Bühnentechnik angeht, wurde ich auch nicht enttäuscht. Allerdings habe ich mir zwischenzeitlich ernsthaft sorgen um einige Tänzer gemacht. Tänzer hängen von der Decke, fliegen in 20 Metern Höhe von rechts nach links und wieder zurück und das in einem Tempo - mir wird schwindelig vom zu sehen.


Die Bilder an sich - das Bühnenbild, die Lautstärke der Musik ist wirklich beeindruckend und fesselnd, allerdings kommt nicht wirklich ein Gefühl rüber. Ich weiß nicht, ob die Tänzer gerne auf der Bühne stehen, die Bewegungen sind nicht wirklich sauber, geschweige denn Synchron. Ich weiß, es ist ein anderer Standort als Europa - aber ganz ehrlich, wenn ich vergleichbar hohe Preise für den Eintritt zahle und eine so große Bühne sehe - warum kann ich dann nicht auch anständige Darsteller oder Tänzer auf der Bühne erwarten?


Vielleicht reichen dann auch die Hälfte der 100 Leute, ein anständiger Regisseur dazu und ab geht die Lucy. Ich möchte hier ehrlich sein und echte Empfehlungen geben: Das Siam Niramit Theater kann ich einem Theaterliebhaber nicht empfehlen!



Singing in Bangkok


Dann wollte ich ja unbedingt noch eine Gesangsstunde in Bangkok nehmen - keine Ahnung, warum mir das so ein großes Anliegen war. Mein lieber Herr Gesangsverein - das war aber nicht einfach zu organisieren. Nach dem einige Schulen mich gar nicht erst verstanden haben, bin ich endlich bei der Music and Dance Academy Bangkok gelandet.


Via Telefon und Mail habe ich dann binnen weniger Tage eine Gesangsstunde bei einer der bekanntesten Vocal-Coaches Thailands bekommen. Yes!

Die Schule ist etwas außerhalb und ich freue mich riesig, das ich rechtzeitig losgefahren bin. Den Ort zu finden ist gar nicht so leicht, vor allem da ja auch die Taxi-Fahren nicht täglich zur Music and Dance Academy Bangkok fahren (nicht grad die gängige Touristenattraktion).


Als ich ankomme geht aber alles unkompliziert und einfach. Ich begrüße Fasai (meine Gesanglehrerin für die nächsten 60 Minuten) und wir ziehen uns in einen kleinen Proberaum zurück. Sie erzählt mir sehr viel über die Thailändische Tradition zu singen, den Stimmsitz und vor allem das Repertoire. In Thailand ist Pop und elektronische Musik total auf der Überholspur. Traditionelle Lieder sind wohl "uncool" daher singen auch wir eine Popballade auf thailändisch. Tatsache - ich habe thailändisch gesungen.


Das Warm- Up unterscheidet sich kaum von Übungen die ich aus dem Unterricht in Deutschland kenne. Doch dann wird es spannend - nicht nur fürs singen, sondern auch fürs Songwriting.


Fasai erklärte mir, dass die thailändische Sprache bereits beim Sprechen unterschiedliche Töne nutzt. Das bedeutet ein und dasselbe Wort kann durch verschieden hohe oder tiefe Töne am Wortende oder Anfang eine neue Bedeutung bekommen.


Im Umkehrschluss bedeutet das, auch bereits komponierte Melodien müssen vielleicht noch mal geändert werden, um die Bedeutung des Textes zu erhalten. Text und Musik haben somit eine viel stärkere Verbindung als bei uns.


Außerdem fühlt sich der "Stimmsitz" der thailändischen Sprache ganz anders an. Damit meine ich den Bereich, wo wir unsere Stimme in uns wahrnehmen - Ja ich weiß, Gesang zu erklären oder erklären zu wollen ist nicht ganz einfach - ich hoffe ihr versteht was ich meine. Die Thai's sprechen tendenziell "nasaler", hohe Töne fallen dadurch beim singen manchmal leichter, vor allem im Pop- und Rockgesang.

Von meiner Gesangsstunde geht es direkt Richtung Flughafen. Diese eine Woche in Bangkok hat mich wirklich berührt, verwirrt, aufgewühlt, aber auch inspiriert. Ich habe neue Eindrücke eingefangen und sehr viele Ideen gesammelt - Jetzt muss ich erst mal ein bisschen Ruhe finden um das alles in mir zu sortieren und zu deuten.


Die nächste Station auf meiner Reise: Chiang Mai!


Ich freue mich auf die nächste Schreib-Orgie für euch ;)


Eure Mira Mond





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